Wenn sich Körper und Wetter verbünden – bleibt die Umkehr

Morgensonne Arinaga Gran Canaria.

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Hallo, hier ist wieder Paula. Wenn sich mein Körper mit dem Wetter verbündet, sollte ich lieber hören, dann wäre mir Hitze und Kreislaufprobleme erspart geblieben. Aber so …

Morgens um vier Uhr war Schluss

Morgensonne Arinaga Gran Canaria.
Morgensonne Arinaga Gran Canaria.

Heute morgen war ich wirklich bedient. Gestern hatte ich alles so schön geplant. Heute sollte eine Tour nach Santa Lucia erfolgen, schön langsam, weil ich merke, dass der rasante Anstieg vom Sport seine Spuren hinterlässt. Also sollte eine wirklich langsame Tour folgen mit einem Cafe solo in der kleinen süßen Bar oben in Santa Lucia. Dort sah ich letztens viele Radsportler sitzen, weshalb ich mich schon auf ein nettes Gespräch freute.

Überholtes Rennrad wartet ungeduldig

Aber es sollte alles anders kommen, als geplant. Dabei hatte ich gestern extra meine Bremsen nachgestellt, die Reifen aufgepumpt und das Trinken kalt gestellt. Aber heute Morgen um vier Uhr war Schluss mit lustig. Es war nicht mehr an Schlaf zu denken. Fit war ich aber auch nicht, schlief ich nur vier Stunden. Ein Blick nach draußen sagte mir, es bringt nichts, vor acht Uhr brauchst du nicht losfahren. Eh schon müde von den letzten Wochen, hätte ich diesen Schlaf vor der Fahrt so gut gebrauchen können. Nö, aber mein Körper rebellierte. Meinte einfach nicht schlafen zu müssen. Jegliche Überredungskunst verpuffte und reichte lediglich für wenige Minuten bis zur nächsten Wachphase.

Ich lief in der Nacht einen Marathon – und Sie so?

Hitze und kein Wind im Barranco de Guayadeque fühlt sich an wie ein heißer Ofen.
Hitze und kein Wind im Barranco de Guayadeque fühlt sich an wie ein heißer Ofen.

Um acht Uhr hatte ich die Schnauze voll und wollte aufstehen. Allerdings überlegte ich, wie ich das mit dem Radfahren mache. Ich fühlte mich arg matschig, wie durchgekaut und so gar nicht gerüstet für die Fahrt. Während ich überlegte, welche Tour ich stattdessen fahren könnte, rebellierte mein Körper erneut und ich schlief über die Überlegungen ein. Na toll, um zehn Uhr wurde ich wieder wach und es fühlte sich an, als hätte ich in der Nacht einen Marathon mit anschließendem Krafttraining hinter mir. Mir tat jeder Muskel weh und ich fragte mich, ob ich irgendwas in der Nacht nicht mitbekommen hatte. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu.

Rennrad-Tour nur ohne Muskelkater

Okay, da ich mich kaum bewegen konnte, strich ich traurig meine Fahrt in die Berge. Dabei hatte ich mich so gefreut und nun … schade. Aus Frust aß ich dann gleich mal Magdalenas und trank meinen Guten-Morgen-Kaffee. Dabei las ich im Bett meinen angefangenen Roman zu Ende. Als ich den durch hatte, meine Magdalenas leerem Papier wich, mein Becher leer vor sich hinstarrte, wollte ich Nachschub holen. Und was musste ich dann bemerken? Der nächste Streich. Mein Körper bewegte sich wieder recht geschmeidig, gut, nicht wie bei einer zwanzigjährigen, die voll im Saft steht, aber immerhin konnte ich mich ohne Schmerzen bewegen.

Kurze Hochphase nutze ich sofort aus

Landschaft zum Genießen auf Gran Canaria
Landschaft zum Genießen auf Gran Canaria

Kurzfristig nutze ich die Chance, dass mein Körper anscheinend vergass zu rebellieren und startete meine Tour. Zwar mehr als zwei Stunden später als geplant, aber das war mir Wurst. Dafür würde ich in Santa Lucia eine längere Pause einlegen. Das bekäme ich schon hin. Vielleicht war sogar eine kleine Tapas drin. In Gedanken suchte ich mir schon mal aus, was ich später wählen würde. Allerdings hat sich mein Körper wieder erholt und meinte mir erneut Steine in den Weg zu legen. Die Beine wurden mit jedem Tritt schwerer und als ich bergauf fuhr, wünschte ich mir so sehr den Wind herbei. Wenn er nicht da ist, fehlt er mir dann doch. Egal, wie viel ich sonst über ihn schimpfe. Das alles immer gleich so beleidigt reagiert und alles einstellt.

Hitze kann ganz schön heiß sein

Also fuhr ich die ersten Meter den Berg hoch und ich wusste, warum in den Foren davon abgeraten wird die Rennrad-Touren zu spät am Tag zu beginnen. Als würde ich in einem Ofen fahren. Einem schräg stehenden Ofen natürlich, denn es ging ja bergauf. Der Schweiß lief mir in die Augen und da fand ich, hatte es so gar nichts zu suchen. Arg unangenehm, brannte richtig ein wenig. Als ich dann überlegte, in Era de Cardón nicht nach Santa Lucia, sondern über Los Corralillos direkt nach Hause zu fahren, meinte mein Körper, dass das immer noch zu weit ist und rebellierte auf Höchststufe. Kreislaufprobleme! na super, mit denen gab ich nach, was sollte ich auch sonst machen? Ich drehte und fuhr die Strecke wieder zurück. Als ob mein Körper lachen würde, war der Kreislauf schlagartig wieder fit, das Wetter hatte sich mit meinem Körper verbündet und wehte mir heftigst ins Gesicht. Gegenwind! So werden wir keine Freunde mehr, wirklich nicht.

Eure,

Paula

Von 0 auf 828 in 128 Minuten mit dem Rennrad nach Santa Lucía

Barranco de Tirajana auf Gran Canaria

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Hallo, hier ist wieder Paula. Meine Sonntagsausfahrt mit dem Rennrad sollte bis Santa Lucía auf eine Höhe von 828 Metern führen, vorausgesetzt ich erreiche den Bergkamm.

Sonntagstour nach Santa Lucía

Am heutigen Morgen war ich etwas geschafft und müde vorm Vortag. Deshalb fuhr ich zwar meine geplante Route los, aber es gab genügend Abzweigungen an denen ich hätte die Strecke abkürzen können. Denn ich wollte 53 km fahren mit insgesamt 1.000 Höhenmetern. Meine derzeitigen Strecken waren 20 km kürzer und 500 Höhenmeter weniger. Für den Sonntag dachte ich, könnte ich das mal angehen. Das Wetter spielte mit, es war zwar sehr warm, aber der Wind war nicht so schlimm.

Tapfer fuhr ich Richtung Anstieg

Anstieg von Era de Cardon nach Santa Lucía auf Gran Canaria.
Anstieg von Era de Cardon nach Santa Lucía auf Gran Canaria.

Nach dem Ort Era de Cardon kam meine Abzweigung. Auf dem Kilometer vorher sah ich den Anstieg, der über den Berg führte und sehr bedrohlich für meine Beine aussah. Aber tapfer fuhr ich bei der Abzweigung nicht wie die letzten Mal rechts ab Richtung Agüimes, nein, ich fuhr nach links Richtung Santa Lucía. Mir war klar, dass ich diesen Anstieg nicht komplett schaffen würde und war gespannt, wie weit ich es fahren könnte. Die Anstiege waren von Anfang an steiler, als die bisherigen, aber erstaunlicherweise fuhr es sich recht gut.

Mit Blick zum Asphalt fuhr ich hoch

Mein Blick wanderte immer wieder zur nächsten Biegung und wunderte mich jedes Mal, wenn ich dort ankam und immer noch Kraft hatte, um weiter zu fahren. So fuhr ich von Anstieg zu Anstieg und plötzlich teilte sich vor mir der Felsen. Ich hatte es geschafft und war auf der Bergspitze! Ich hatte es tatsächlich geschafft. Niemals hätte ich das gedacht, nicht heute und sonst auch mit mehr Problemen. Aber nein, ich rollte auf die andere Seite des Berges mit einem lauten Freudenschrei.

Barranco de Tirajana – gigantisch

Barranco de Tirajana auf Gran Canaria
Barranco de Tirajana auf Gran Canaria

Hinter der Bergspitze öffnete sich eine atemberaubende Landschaft. Es gab zwei Bergketten, die vom Barranco de Tirajana getrennt waren. Ich fuhr Richtung Santa Lucía und blickte in das Tal und sah gegenüber die steilen Felswände. Gigantisch! Der Berg Amurga, auf den ich blickte maß stolze 1.131 Meter. Die Strecke nach Santa Lucía führte westwärts und ich entdeckte bald die Ortschaft San Bartolomé in den Bergen. Es sah so aus, als ob San Bartolomé direkt in den kompletten Barranco einsehen konnte.

Barranco de Tirajana mit Blick auf Amurga (1131m) auf Gran Canaria.
Barranco de Tirajana mit Blick auf Amurga (1131m) auf Gran Canaria.

Zwischendrinnen fuhr ich am Stausee Embalse de Tirajana vorbei, der – wie alle anderen Stauseen derzeit – sehr wenig Wasser enthielt. Es führte ein Weg hinab zum Stausee, der auch ein Restaurant bot. Dort wurde der Ausblick mit Schildern angepriesen und ich schwor mir, beim nächsten Mal diese 500 Meter hinab und wieder hinauf zu fahren, um dort unten Fotos zu machen. Von der Staumauer aus, musste der Blick in den Barranco wunderschön sein.

Pause in Santa Lucía gestrichen

Da ich nicht wusste, wie ich die Hälfte des Weges hinter mich gebracht haben würde, plante ich einen Halt in Santa Lucía für eine  kurze Kaffeepause. Allerdings war ich fitter als ich dachte und fuhr direkt vor der Ortschaft Richtung Temisas. Nun würde ein erneuter Anstieg folgen, der so aussah, als ob meine Beine den nicht hochfahren. Konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich diesen steilen Anstieg schaffen sollte. Aber auch dieses Mal täuschte ich mich. Die Anstiege sahen schlimmer aus, als es sich dann tatsächlich fuhr.

Temisas bot sich nicht für eine Rast an

Beim Mirador de Guriete vor Santa Lucía auf Gran Canaria.
Beim Mirador de Guriete vor Santa Lucía auf Gran Canaria.

Nach dem Anstieg fuhr ich über die zweite Bergspitze und ich blickte in das nächste Tal und gegenüber auf den Berg Teheral mit 912 Metern. Die knackigen Anstiege bleiben, allerdings waren diese leichter zu fahren, weil ich mit SChwung von den Abstiegen kam und diesen meistens mitnehmen konnte. Ich merkte, dass ich die Haarnadelkurven besser fuhr. In Temisas liess ich die Pause ausfallen, weil der Ort direkt unter der Straße lag und nicht wirklich zu einer Rast einlud. Direkt an der Straße war ein Cafe, allerdings ohne Außenplätze. Da ich mein Rennrad nicht allein draußen stehen ließ, fuhr ich weiter. Ich hatte noch genügend Trinken und einen halben Riegel, sodass die Rast nicht unbedingt sein musste.

Agüimes empfing mich mit Wind

Nun führte die GC550 Richtung Agüimes und ich spürte den Wind, der vorher von den Bergen abgeschirmt war. Anfangs freute ich mich, da es fast 30 Grad hatte und ich die Abkühlung genoss. Allerdings wurde der Wind mit jedem Kilometer heftiger, sodass er mich zwang langsamer zu fahren. Denn auf den Bergstraßen wurde ich durch den Seitenwind doch arg gebeutelt. Da ich keine Lust auf einen unfreiwilligen Abstieg hatte, gab ich nach. Musste deshalb viel mehr auf den Abstiegen bremsen, als mir lieb war.

Begleitschutz von Guardia Civil

Kurz vor Agüimes bog ich rechts nach Los Corralillos ab, denn die Abfahrt von Agüimes nach Cruce de Arinaga mit dem heftigen Wind, tat ich mir nicht mehr an. Da doch lieber die Strecke über den Crocodrillos Park. Dieser war mit weniger Wind, schönerer Landschaft und weniger Autos eh zu empfehlen. Eine Weile fuhr die Guardia Civil hintermir, weshalb ich peinlichst auf meine Geschwindigkeit achtete. Weshalb sie mich nicht überholten und so lange hinter mir blieben, konnte ich nur raten.

Zu Hause in meiner Wohnung spürte ich nach der dreistündigen Fahrt jeden Muskel, aber war glücklich und happy, dass ich diese Fahrt so erfolgreich und doch recht entspannt fahren konnte. Ich entwickle mich noch zur Bergspezialistin, wenn es so weiter geht.

Eure,

Paula